Barbara Schmidt

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Barbara Schmidt - Silvestria

"Die fotografischen Arbeiten der Künstlerin Barbara Schmidt beeindrucken auf den ersten Blick durch irreale Räume, ihre fast immer monochrome Farbenverwendung vor einem kontrastierenden dunklen Hintergrund und die Fragilität der verwendeten Materialien. Die überlegt angeordneten fast durchsichtigen Utensilien werden durch romantisches Blau, durch den Kontrast von Grau- und Rottönen sowie überwiegende Rottöne optisch überzeugend verstärkt. So entstehen surreale Raumillusionen, die in ihrer stimmigen Gesamtkomposition aus der Kombinatorik natürlicher und zivilisatorischer Gegenstände immaterielle Eindrücke, Erlebnisse und Entdeckungen aus Kindheitserinnerungen der Fotografin evozieren. Der Künstlerin gelingt eine Kunst der Erinnerung.

Sammlungsstücke von Flohmärkten, Funde von Freunden und Verwandten markieren in ihren Arbeiten eine Lebenswanderung, deren fotografischer Niederschlag Stillleben-Landschaften kreiert. Die metaphorischen Impressionen bedürfen keiner menschlichen Anwesenheit. 

Sorgsam ausgewählte Lichtsituationen lenken das Augenmerk des Betrachters auf singuläre Gegenstände und genau durchdachte Gegenstandsanordnungen, erinnernd an Traumsequenzen von Yves Tanguy oder Salvador Dali. So erfüllt der Titel „Silvestria“ (= waldige Gegenden) seine Funktion, indem Barbara Schmidt eine virtuelle biografische Welt visualisiert. Ihre gestalterische Basis findet sich ausschließlich in der Fantasie der Künstlerin.

Barbara Schmidt versteht Fotografie nicht mehr in ihrer ursprünglichen abbildenden Funktion, sondern räumt diesem Medium die Chance ein, “Irreales abbildend einzufangen“. Die Fragilität der Naturmaterialien, unter anderem Teile von Schmetterlingen, Doldenblütlern, Mossblüten, steht im Kontrast zu den von Menschen geschaffenen Gegenständen, wie zum Beispiel einer rostigen Kugel aus einem Kugellager.

Auch gerade die farbige Nachbearbeitung der Silvestria-Landschaften am Computer demonstriert eindeutig, wie schnell sowohl Naturmaterialien als auch von Menschen konstruierte Dinge im Zeitverlauf ihre Existenz verlieren."

von Karl-Heinz Richter, 2019, Katalogtext / 73. Internationale Bergische Kunstausstellung, Kunstmuseum Solingen, www.kunstmuseum-solingen.de 






aus dem Katalog zur Ausstellung "Augenlicht - Junge Kunst aus der Kunstakademie Düsseldorf", 
Hans-Jürgen  Hafner, Leiter des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, September 2012:


"Haben wir es einerseits gelernt, dem Versprechen der Fotografie als objektiver Aufzeichnungsapparatur zu misstrauen, erscheinen uns mithilfe der Foto- oder Filmkamera hergestellte Bilder dennoch nach wie vor ungleich plausibler als diejenigen, die auf Basis anderer Bildmedien entstehen. Daher rührt der besondere Reiz, mit den Mitteln der Fotografie immer noch imaginäre Welten zu erfinden, mit ihr geradezu mutwillig Illusionen herzustellen. Das machte die Kamera nicht zuletzt für die fotografischen Experimente des Surrealismus interessant, wo es genau nicht um die kennerschaftlich-professionelle Technikbeherrschung im Sinne handwerklich gut gemachter Fotografien, sondern ums spielerisch forschende Ausloten technischer Potentiale gerade auch gegen die Gebrauchsanweisung ging. 

Barbara Schmidts fotografische Inszenierungen verführen als frappierend plausibel daherkommende Bildszenarien, die imaginäre Landschaften entwerfen und uns damit in eine fantastische Welt exotischer Elemente und verschobener Dimensionen entführen. 
Schmidt genügen wenige Zutaten, beispielsweise etwas Sand und Wasser sowie Pflanzen- und Insektenteile, um derart märchenhafte Schauplätze wie diejenigen ihrer "Ripa"-Serie herzustellen. 

Vielleicht noch spannender sind ihre unbetitelten fotografischen Blicke durch Gräser, Laubwerk und Geäst, die ihre Dynamik aus dem gewählten Fokus, dem Wechselspiel zwischen Detail und Ganzem, mithin zwischen Nah und Fern bzw. fotografischer Schärfe und Unschärfe beziehen. Hier dient die Fotografie weniger als bloßes Medium, als dass sich die Kameraapparatur selbst in den Vordergrund rückt. Die vordergründig erzählerische Dimension der Bilder profitiert dann nämlich zusätzlich von der strukturellen Einbeziehung der Bildtechnik als inhaltlicher Ebene."



aus: "Aktuelle Kunst -Tief im Westen"
Magdalena Kröner, FAZ, 22.02.2010:

"...Doch auch der Weg nach Castrop-Rauxel lohnt sich, nämlich zur Gruppenausstellung „Welten schaffen“ in der Galerie Schwenk. Hier fallen besonders die so filigranen wie phantastischen Welten der 1982 geborenen Barbara Schmidt auf, die in Düsseldorf bei Christopher Williams studiert: Aus in der Natur gefundenen Elementen setzt sie en miniature Landschaften und Märchenwälder zusammen und fotografiert diese dann. ..."  
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